Medikamente bei Angst: Was die Leitlinie sagt – und was danach kommen muss

Titelbild Medikamente bei Angststörung: nachdenkliche Frau am Küchentisch mit Tasse und Tablettenschachtel – Wie das System mit deiner Abhängigkeit verdient, selbst wenn du es nicht möchtest
RATGEBER · ANGST & PANIK

Medikamente bei Angststörung sind in Angst-Foren ein Dauerthema – dort dreht sich fast alles um Wirkstoffe und Nebenwirkungen. Die Frage, die wirklich entscheidet, wird kaum gestellt: Wer kommt am Ende raus – und was fehlt bei allen anderen?


Verfasst von Daniel Terasa, Coach für Angst-, Panik- und Kontroll-/Zwangsreaktionen sowie Krankheits-/Gesundheitsangst · Stand: September 2026


Wichtiger Hinweis vorab: Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung und enthält keine Empfehlung, ein Medikament anzusetzen, abzusetzen, zu wechseln oder anders zu dosieren. Alle Fragen zu Ansetzen, Absetzen, Dosis und Wechselwirkungen gehören zu der Ärztin oder dem Arzt, die das Präparat verordnet haben – ein eigenmächtiges Absetzen kann gefährlich sein. Die weiter unten beschriebenen Übungsformen sind eine Beschreibung dessen, was in einer Begleitung gemeinsam geplant wird – keine Anleitung zum Alleinüben. Bei Suizidgedanken, in einer akuten Krise oder bei körperlichen Beschwerden, die nicht abgeklärt sind, wende Dich bitte sofort an ärztliche Hilfe oder die Telefonseelsorge (0800 111 0 111).

Wer das hier schreibt. Ich hatte zwölfeinhalb Jahre lang selbst Panik, Zwangsgedanken und Krankheitsangst – und ich kenne die Frage nach dem richtigen Medikament von innen. Seit 2019 arbeite ich mit Menschen, die genau davor stehen. Ich weiß, an welcher Stelle die meisten aufgeben – und was den Unterschied macht zwischen denen, die es hinter sich lassen, und denen, die nach Jahren noch dieselben Übungen machen. Ich bin Coach, kein Arzt: Über Medikamente entscheidest Du mit Deiner Ärztin, nicht mit mir.

In drei Sätzen, falls Du gerade keine Zeit hast. Medikamente können bei Angst wirken, und ich rede sie Dir nicht aus – über Ansetzen und Absetzen entscheidest Du mit Deiner Ärztin, nie mit mir. Was in den Zahlen auffällt, ist etwas anderes: Wer am Ende wirklich herauskommt, hat fast immer den Teil gemacht, der in der Versorgung am häufigsten fehlt. Und das ist nicht der Wirkstoff, sondern die Erfahrung, dass die Situation auch ohne Absicherung gut ausgeht.

Darunter steht, was die Leitlinie zu welchem Mittel sagt, welche Zahlen dahinterstehen – und was danach kommen muss, damit es hält.

„Ich weiß nicht mal, wie ich das Gefühl beschreiben soll“

Es ist Tag drei. Nachts wachst Du auf, und irgendetwas stimmt nicht. Eine Unruhe, die von innen kommt. Das Gefühl, dass in Deinem Kopf etwas passiert, das Du nicht kontrollierst. Beklemmend. Du stehst neben Dir. Und dann kommt der Gedanke, der alles zusammenzieht: Was, wenn ich wirklich etwas habe?

Dieser Text beginnt mit einem echten Beitrag aus einer Facebook-Gruppe für Menschen mit Angsterkrankungen. Er ist dort einer von hunderten. Die Fragen wiederholen sich: Ist das normal? Nehmt ihr das auch? Was kann ich stattdessen nehmen?

Und jetzt etwas, das Du wahrscheinlich noch nie gelesen hast. Wenn Du über Medikamente nachliest, hast Du vermutlich schon einiges andere versucht – Entspannung, Atemübungen, Ablenkung. Und es hat nicht gehalten. Die meisten erklären sich das mit sich selbst: zu wenig Disziplin, zu wenig Wille, zu schwach.

Tipp einmal „was tun bei Angststörung“ bei Google ein. Auf Seite eins stehen das Bundesministerium für Gesundheit („Entspannungsmethoden … Yoga“), Psychologie Heute („progressive Muskelentspannung“), die Heiligenfeld Kliniken („4-7-8-Atmung · Zählen · Visualisierung“) und die Apotheken Umschau (an fünfter Stelle: „Sich ablenken“).

Und in der Zerlegung der Verhaltenstherapie bei Panikstörung – 72 Studien, 4.064 Menschen – ging ausgerechnet die Muskelentspannung mit deutlich geringerer Wirksamkeit einher.

Du hast also nicht versagt. Du hast getan, was Dir von allen Seiten geraten wurde – und genau das ist der Grund, warum es geblieben ist. Das ist die unangenehmste Stelle in diesem Text und gleichzeitig die beste Nachricht darin: Es liegt nicht an Dir. Es liegt an der Anleitung.

Gibt es etwas Rezeptfreies, das genauso gut wirkt?

Was in den Antworten fast nie steht: eine saubere Trennung zwischen zwei völlig unterschiedlichen Medikamentengruppen, ein realistischer Blick darauf, wie schlimm Absetzen tatsächlich ist – und die Frage, die eigentlich zählt. Nicht „welche Tablette?“, sondern: Wer kommt am Ende wirklich raus?

Genau darum geht es hier: um Medikamente bei Angststörung und Panik. Ohne Panikmache, ohne Medikamentenverteufelung, und ohne dass ich Dir sage, was Du schlucken sollst – das darf und will ich nicht. Ich zeige Dir, was die Leitlinie sagt, was in der Versorgung tatsächlich passiert, und wo die Lücke liegt, in der die meisten Menschen jahrelang feststecken. Ob Medikamente bei Angststörung sinnvoll sind, entscheidet sich dabei nicht am Präparat allein, sondern daran, was daneben passiert.

Medikamente bei Angststörung: Es sind zwei Gruppen, nicht eine

Die häufigste Frage lautet: Gibt es ein bestes Medikament gegen Angststörung? In den Foren steht „Medikamente“ – ein Wort, ein Topf. Fachlich ist das der erste und folgenreichste Fehler. Medikamente bei Angststörung sind keine einheitliche Gruppe – welche Medikamente gegen Angst infrage kommen, entscheidet sich zuerst daran, um welche der beiden es geht. Denn die beiden Gruppen, um die es fast immer geht, unterscheiden sich in jedem einzelnen Punkt, der für Dich wichtig ist.

Medikamente bei Angststörung im Vergleich: Benzodiazepine gegenüber Antidepressiva – Leitlinienempfehlung, Einnahmedauer, Abhängigkeitsrisiko und Absetzen

Abbildung 1: Zwei Medikamentengruppen, zwei verschiedene Geschichten

Lies die linke Spalte noch einmal. Das ist keine Meinung eines Coaches. Das ist die S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen – das maßgebliche Behandlungsdokument in Deutschland, erarbeitet von einem Gremium aus 29 Fachverbänden und Organisationen. Sie formuliert dort eine sogenannte Negativempfehlung – für Panikstörung und generalisierte Angststörung in der stärksten Form, die eine Leitlinie kennt:

„Patienten mit einer Angststörung sollen Benzodiazepine dennoch aufgrund der
gravierenden Nebenwirkungen (Abhängigkeitsentwicklung etc.) nicht angeboten
werden.
“

„Soll nicht“ ist in der Leitliniensprache kein freundlicher Hinweis. Es ist die höchste Empfehlungsstärke – dasselbe Gewicht, das ein „soll“ auf der positiven Seite hätte. Und die Leitlinie geht weiter: Falls in begründeten Ausnahmefällen doch verordnet wird, „in der Regel nur für wenige Wochen“. Bei Menschen mit einer Suchtvorgeschichte: gar nicht.

Und jetzt, was davon im Alltag übrig bleibt

Wenn die maßgebliche Leitlinie eine Substanzgruppe so deutlich ablehnt – wie sieht dann die Versorgung aus? Anders gefragt: Wie werden Medikamente bei Angststörung tatsächlich verordnet?

Medikamente bei Angststörung – Zahlengrafik: Zwei bis vier Wochen Regelanwendungsdauer für Benzodiazepine gegenüber 1,1 Millionen Abhängigen von Schlaf- und Beruhigungsmitteln, 230,1 Millionen Tagesdosen und 55,3 Prozent Privatrezepten

Abbildung 2: Was die Leitlinie sagt – und was tatsächlich passiert

Aus meiner Praxis. Ich habe Klienten, die Medikamente nehmen, und das ist völlig in Ordnung – ich arbeite mit ihnen genauso wie mit allen anderen. Was ich nicht mache: zum Absetzen raten. Das entscheidest Du mit Deiner Ärztin. Was ich mache: dafür sorgen, dass der Teil dazukommt, der in den Zahlen den Unterschied macht.

Diese Zahlen stammen aus einer Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt. Sie sind über zehn Jahre alt – die Arbeit erschien 2015, die Verordnungszahlen stammen von 2011/2012 –, und ich sage das ausdrücklich, statt sie neuer aussehen zu lassen, als sie sind. Aber sie zeigen ein Muster, das kein Einzelfall ist: Die Hälfte der Benzodiazepin-Verordnungen lief über Privatrezept – also an der Auswertung durch die Krankenkassen vorbei. Befragte Hausärzte nannten dafür vor allem zwei Gründe: die Vorgaben der Arzneimittel-Richtlinie und ausdrücklich geäußerte Wünsche der Patientinnen und Patienten.

Der Nebeneffekt bleibt derselbe: Eine Verordnung, die nicht auftaucht, fällt auch nicht auf. Das ist der Kern dessen, worum es in diesem Text geht. Nicht: Medikamente bei Angststörung sind schlecht. Sondern: Zwischen dem, was empfohlen ist, und dem, was passiert, klafft eine Lücke – und in dieser Lücke leben sehr viele Menschen sehr lange.

Antidepressiva absetzen: der Mythos und was die Daten wirklich sagen

Wenn Du in Angst-Foren liest, entsteht ein bestimmtes Bild davon, was Antidepressiva absetzen bedeutet: monatelange Hölle, schlimmer als die Angst selbst, ein Zustand, aus dem man nicht mehr herauskommt. Dieses Bild hält viele Menschen davon ab, überhaupt anzufangen – und andere davon, jemals wieder aufzuhören.

Zwei große Auswertungen der letzten beiden Jahre haben das untersucht. Die eine fasste 79 Untersuchungen mit über 21.000 Menschen zusammen, die andere 50 Studien mit knapp 18.000.

Medikamente bei Angststörung – Zehnerraster: Rund 15 von 100 Menschen erleben nach dem Absetzen von Antidepressiva echte Absetzsymptome, rund 3 von 100 erleben sie als schwer

Abbildung 3: Antidepressiva absetzen – was zwei große Auswertungen zeigen

Von den Menschen, die Antidepressiva absetzen, berichten rund 31 Prozent Symptome – aber 17 Prozent berichten sie auch dann, wenn sie in Wahrheit nur ein Placebo abgesetzt haben. Zieht man das ab, bleiben rund 15 Prozent, bei denen die Symptome tatsächlich auf das Absetzen zurückgehen: etwa jeder Sechste bis Siebte. Als schwer erlebt sie etwa jeder Fünfunddreißigste.

Die zweite Auswertung misst dasselbe anders und kommt zum selben Bild: In der ersten Woche nach dem Absetzen lag die Symptomlast im Mittel bei einem einzigen zusätzlichen Symptom – unterhalb der Schwelle, ab der Fachleute von einem klinisch bedeutsamen Absetzsyndrom sprechen. Das häufigste Symptom war Schwindel, der rund 6 Prozent zusätzlich betraf.

Und jetzt der Teil, der ausgerechnet für Dich zählt

Hier muss ich genau werden, denn diese Zahlen stammen nicht aus reinen Angst-Studien. In der zweiten Auswertung untersuchten 28 der 50 Studien Menschen mit Depression. Angststörungen waren mit rund fünfzehn Studien vertreten: neun zu generalisierter Angststörung, vier zur Panikstörung, dazu je eine zu sozialer Angststörung und posttraumatischer Belastungsstörung.

Zwei Dinge folgen daraus, und beide gehören hierher:

Erstens: Die Autoren der ersten Auswertung haben ausdrücklich geprüft, ob die Diagnose die Unterschiede zwischen den Studien erklärt. Ergebnis: Die Streuung ging auf Faktoren zurück, die sich nicht durch Diagnose, Medikament oder Studienart erklären ließen.

Die Größenordnung „etwa jeder Sechste bis Siebte“ ist also nicht auf Depression beschränkt.

Zweitens – und das ist der wichtigere Punkt: Die Aussage „was später zurückkommt, ist ein Rückfall und kein Entzug“ gilt nach diesen Daten für die Stimmung. Für Angst gilt sie ausdrücklich nicht.

Die Autoren schreiben, dass Nervosität und Angst nach dem Absetzen häufiger auftraten – und ziehen daraus den Schluss, dass Absetzsymptome als wiederkehrende Angst fehlgedeutet werden können. Möglicherweise, so vermuten sie, kehrt Angst nach dem Absetzen sogar schneller zurück als eine depressive Verstimmung.

Für Dich heißt das: Wenn Du absetzt und ein paar Tage später unruhig wirst, ist das nicht automatisch der Beweis, dass „die Angst wieder da ist“ und Du das Medikament brauchst. Es kann auch das Absetzen selbst sein – vorübergehend. Diese beiden auseinanderzuhalten ist schwer, und genau deshalb gehört die Entscheidung in ärztliche Begleitung und nicht in eine Facebook-Gruppe.

Was das alles nicht heißt: dass Du absetzen sollst.

Ob, wann und wie schnell reduziert wird, entscheidest Du mit der Ärztin oder dem Arzt, der verordnet hat. Und für Benzodiazepine gilt etwas völlig anderes: Dort ist Abhängigkeit belegt, dort empfiehlt die Leitlinie, nach längerer Behandlung sehr langsam auszuschleichen, gegebenenfalls über mehrere Wochen.

Was es aber sehr wohl heißt: Die Angst vor dem Absetzen ist größer als das, was die Daten hergeben. Und Angst vor einem Zustand, den man noch nie erlebt hat, ist genau das Muster, das eine Angststörung am Leben hält

„Gibt es was Rezeptfreies, das genauso gut wirkt?“

Wer „Medikamente gegen Angst rezeptfrei“ googelt, stellt im Kern diese Frage. Diese Frage kommt in Angst-Gruppen fast so oft wie die nach den Nebenwirkungen – und fast so oft wie die, welche Medikamente gegen Angst überhaupt infrage kommen. Dahinter steckt eine nachvollziehbare Hoffnung: etwas, das hilft, ohne Rezept, ohne Abhängigkeit, ohne Arztgespräch. Kurz zu „Medikamente gegen Angst rezeptfrei“: Die Leitlinie hat die gängigen Kandidaten geprüft.

Medikamente bei Angststörung – Ampelgrafik zu rezeptfreien Mitteln bei Angst: Lavendelölextrakt Silexan gelb, Johanniskraut und Baldrian ohne Nachweis, homöopathische Präparate rot

Wenn Du über Medikamente nachliest, suchst Du eigentlich nach einem Weg, der ohne auskommt. Und irgendwann reicht Nachlesen nicht mehr.

Ich hatte zwölfeinhalb Jahre lang selbst Panik, Zwangsgedanken und Krankheitsangst. Seit 2019 arbeite ich mit Menschen, die genau hier stehen – und in der Regel vergeht keine Woche bis zu den ersten Ergebnissen, egal ob jemand seit Monaten oder seit Jahrzehnten betroffen ist.

Das Erstgespräch kostet nichts und verpflichtet zu nichts. Den Rest liest Du danach in Ruhe zu Ende.

Abbildung 4: Was die Leitlinie zu rezeptfreien Mitteln sagt

Bei Silexan lohnt der genaue Blick, weil er zeigt, wie Wirksamkeitsaussagen entstehen: Der Extrakt war in einer Studie wirksamer als Placebo bei generalisierter Angststörung – und er hat in Deutschland trotzdem keine Zulassung für Angststörungen nach ICD-10, sondern für „Unruhezustände bei ängstlicher Verstimmung“. Beides stimmt gleichzeitig. Die Leitliniengruppe selbst zieht daraus den Schluss, dass die Datenlage keine Empfehlung für Silexan bei generalisierter Angststörung erlaubt.

Und sie fügt eine Einschränkung an, die im Drogeriemarktregal untergeht: Für andere Lavendelölextrakte als diesen einen lassen sich keine Aussagen treffen.

Aber selbst wenn ein rezeptfreies Mittel bei Dir spürbar beruhigt – und das kann sein – bleibt eine Frage offen, und es ist die entscheidende. Ein Mittel, das die Anspannung dämpft, verändert nicht, wovor Du Angst hast. Es macht die Situation erträglicher, in der Du sonst gelernt hättest, dass sie erträglich ist. Genau das ist der Mechanismus, um den es im nächsten Abschnitt geht.

Die Frage, die niemand stellt: Wer kommt eigentlich raus?

Wer „Angststörung Medikamente“ googelt, landet schnell in Foren. In Selbsthilfegruppen und Foren wird über Medikamente bei Angststörung diskutiert – über Wirkstoffe, Dosierungen und Nebenwirkungen, oft über Jahre. Was fast nie diskutiert wird: Wie viele der Menschen, die dort schreiben, sind in zwei Jahren noch da? Und warum?

Die Zahlen dazu stammen aus den weltweiten Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation – über 51.000 Befragte in 21 Ländern. Die Zahlen sind ernüchternd, aber sie erklären sehr viel.

Medikamente bei Angststörung – Trichtergrafik: Von 100 Menschen mit Angststörung halten 41 Behandlung für nötig, 28 erhalten irgendeine, nur 10 eine ausreichende Behandlung

Abbildung 5: Von 100 Menschen mit einer Angststörung

Von hundert Menschen mit einer Angststörung halten nur etwa 41 für sich selbst überhaupt eine Behandlung für nötig. Rund 28 bekommen irgendeine Form von Behandlung. Und nur etwa zehn bekommen eine, die den Mindestanforderungen genügt – definiert als mindestens ein Monat Medikation mit mindestens vier Arztterminen oder mindestens acht Sitzungen bei einer Fachperson. Zehn von hundert. Das ist keine Frage der Medikamente bei Angststörung. Das ist die Antwort auf Deine Frage, warum in den Gruppen alle krank sind und kaum jemand berichtet, dass er es geschafft hat.

Und jetzt die Zahl, die mich als Coach am meisten beschäftigt

Nehmen wir an, Du gehörst zu den zehn. Du hast einen Therapieplatz, Du gehst hin, Du machst mit.

Dann trifft Dich eine zweite Lücke, von der kaum jemand weiß.

Für Angststörungen gibt es ein Verfahren, das die Forschung als Kernbestandteil der Verhaltenstherapie ansieht und das in den meisten internationalen Leitlinien zur Erstlinien-Behandlung gehört: die Expositionsarbeit. Bei der spezifischen Phobie spricht die Leitlinie die höchstmögliche Empfehlung aus, und für die Panikstörung wird sie ausdrücklich in Begleitung empfohlen – die Leitlinie schreibt wörtlich, der Therapeut solle die Exposition „nicht nur in der Therapiesitzung theoretisch durchsprechen“, sondern bei den Übungen anwesend sein.

Eine Befragung unter 684 deutschen Verhaltenstherapeutinnen und -therapeuten hat gemessen, wie oft das tatsächlich geschieht.

Und jetzt der Unterschied, an dem in der Praxis fast alles hängt

Ein Medikament kann die Symptome dämpfen. Was es nicht kann: Dir die Erfahrung verschaffen, dass eine Situation auch ohne auszuhalten ist. Diese Erfahrung entsteht nur an einer Stelle – in der Situation selbst.

Der Fachbegriff dafür ist Exposition. Die S3-Leitlinie beschreibt sie als „Konfrontation mit Angst auslösenden Situationen“ und führt den Abbau von Sicherheitsverhalten gleich dreimal als eigenen Behandlungsbestandteil auf. Und sie sagt, wofür jemand danach gelobt werden soll: dafür, dass er hineingegangen ist – ausdrücklich nicht dafür, dass er es angstfrei erlebt hat.

Drei Dinge entscheiden darüber, ob daraus etwas wird:

Aus meiner Praxis. Ein Muster, das mir immer wieder begegnet: Das Medikament nimmt genug Druck weg, dass man wieder funktioniert – und genau deshalb fängt niemand mehr mit dem an, was die Situation verändert hätte. Der Zustand wird erträglich und bleibt, wie er ist. Das ist keine Kritik am Medikament. Das ist der Grund, warum es allein selten reicht.

  • Ob jemand dabei ist. In einer deutschen Studie mit 369 Menschen bekamen alle dieselbe Therapie – nur wurde die eine Gruppe bei den Übungen begleitet und die andere nicht. Die begleitete Gruppe schnitt besser ab, direkt danach und in der Nachuntersuchung.
  • Ob die Absicherungen wegbleiben. Das Notfallmedikament in der Tasche ist genau so ein Hilfsmittel – und es kann verhindern, dass die Erfahrung entsteht, auf die es ankommt.
  • Ob sie überhaupt stattfindet. 684 deutsche Verhaltenstherapeuten gaben an, Exposition in 46,8 % ihrer Angstbehandlungen einzusetzen. Weniger als die Hälfte.

Das ist der Teil, an dem für mich alles hängt – und er ist zu umfangreich für einen Beitrag über Medikamente. Ich habe ihn deshalb eigenständig aufgeschrieben, mit allen Formen, allen Zahlen und allen Gegenbefunden: Exposition bei Angst und Panik: Was wirklich wirkt.

Dort steht auch, was mich selbst überrascht hat: dass intensivere Exposition zwar schneller wirkt, aber nach fünf Jahren zu keinem besseren Ergebnis führt als die nicht verdichtete.

Wie viel die konkrete Zusammenstellung ausmacht, zeigt eine Auswertung von 72 Studien mit 4.064 Teilnehmenden zur Panikstörung: Zwischen der wirksamsten und der unwirksamsten Kombination lag die Chance auf Remission um das 7,69-Fache auseinander – beide werden als evidenzbasierte Verhaltenstherapie angeboten.

Medikamente bei Angststörung – Vergleichstabelle: bloße Konfrontation gegenüber geplanter Exposition – Ziel, Erfolgsmaß, Umgang mit Absicherungen, Orte und Planung

Abbildung 6: Konfrontation oder Exposition – der Unterschied entscheidet

Was das für Dich bedeutet – ganz praktisch

Wenn Du das Muster jetzt zusammensetzt, ergibt sich ein Bild, das in keiner Facebook-Antwort steht:

  • Die Medikamentengruppe, die viele am meisten fürchten, ist beim Absetzen meist die harmlosere – Antidepressiva.
  • Die Gruppe, die schnell Erleichterung bringt und deshalb beliebt ist, lehnt die Leitlinie ausdrücklich ab – Benzodiazepine.
  • Nur etwa jeder Zehnte bekommt überhaupt eine ausreichende Behandlung.
  • Und selbst dort fehlt in mehr als der Hälfte der Fälle das Verfahren, das in den Leitlinien zur Erstlinien-Behandlung gehört – oder es wird als bloßes Aushalten durchgeführt.

Ob es ein bestes Medikament gegen Angststörung gibt, ist deshalb die falsche Frage. Das Problem ist nicht die Tablette. Das Problem ist, was daneben nicht passiert. Ob Medikamente bei Angststörung sinnvoll sind, hängt genau daran.

Eine Medikation kann Dir Luft verschaffen. Sie kann die Anspannung so weit senken, dass Arbeiten überhaupt erst möglich wird – und wer schon einmal in einer schweren Phase war, weiß, dass diese Luft manchmal alles ist. Eine deutsche Untersuchung an 380 Patientinnen und Patienten mit Panikstörung und Agoraphobie zeigt außerdem: Wer unter Antidepressiva eine Expositionsbehandlung macht, profitiert davon genauso stark wie jemand ohne Medikation.

Die Ansprechraten lagen bei 53,8 gegenüber 53,5 Prozent – praktisch identisch.

Das ist eine gute Nachricht, und sie räumt mit einem hartnäckigen Missverständnis auf: Du musst nicht erst medikamentenfrei sein, um anfangen zu können. Du kannst jetzt anfangen.

Aber es heißt eben auch: Die Tablette allein macht die Arbeit nicht. Sie senkt den Leidensdruck – und Leidensdruck ist leider genau das, was viele Menschen überhaupt erst in Bewegung bringt. Wenn er sinkt und sonst nichts geschieht, entsteht ein Zustand, den ich in meiner Arbeit ständig sehe: Es ist auszuhalten.

Nicht gut, aber auszuhalten. Und dabei bleibt es dann. Jahrelang.

Der Unterschied zwischen Aushalten und Rauskommen

Es gibt einen Satz, den ich von fast jedem höre, der lange in diesem Thema steckt: „Ich habe gelernt, damit umzugehen.“

Das klingt nach Fortschritt. Oft ist es das Gegenteil. „Damit umgehen“ heißt in der Praxis meistens: Ich weiß, welche Situationen ich meide. Ich habe die Tablette dabei. Ich weiß, wo der Ausgang ist. Ich checke morgens kurz, ob heute ein guter Tag wird. Das ist kein Leben ohne Angst – das ist ein Leben, das sich um die Angst herum organisiert hat.

Der Weg heraus verläuft anders herum.

Aber eben nicht als bloßes Durchhalten, sondern als geplante Arbeit: Vorher steht fest, was Du erwartest, welche Absicherung wegfällt und in welchen unterschiedlichen Situationen geübt wird. Danach wird verglichen, was tatsächlich passiert ist. Nicht besprochen, sondern gemacht. Nicht theoretisch in einer Praxis, sondern draußen, wo es tatsächlich passiert – im Supermarkt, in der Bahn, bei der Untersuchung, im vollen Raum.

Genau an dieser Stelle klafft die Lücke, die Du oben in den Zahlen gesehen hast.

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Medikamente und Verhaltenstraining erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Was für Dich sinnvoll ist, entscheidest Du mit den jeweils zuständigen Fachleuten – wie alltagsbezogene Unterstützung daneben aussieht, erkläre ich Dir gern. 15 Minuten, kostenlos: Wir schauen, ob mein Coaching zu Deiner Situation passt.

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Die Leitlinie empfiehlt begleitete Exposition. Die Versorgung liefert sie in weniger als der Hälfte der Fälle – und wenn, dann häufig als reines Aushalten. Vom Erstgespräch bis zum Therapiebeginn vergehen in Deutschland im Schnitt rund 142 Tage.

Was ich mache, wenn das Medikament nicht alles löst

Ich bin Daniel Terasa, Coach für Angst-, Panik- und Kontroll-/Zwangsreaktionen sowie Krankheits-/Gesundheitsangst. Ich bin kein Arzt, kein Heilpraktiker und kein Psychotherapeut. Ich stelle keine Diagnosen oder verschreibe Medikamente. Das ist keine Einschränkung, die ich verstecke, sondern die Grundlage einer klaren Absprache.

Was ich mache, ist das, wofür im 50-Minuten-Takt regelmäßig kein Raum ist: die Übungen und Möglichkeiten planen, alle individuellen Besonderheiten durchgehen und dann umsetzen. Konkret heißt das, dass wir vorher besprechen, was Du befürchtest – und für wie wahrscheinlich Du es hältst, dass das Befürchtete eintritt. Was Du tun kannst, damit genau das nicht passiert – und warum gerade so.

Welche Absicherungen wegfallen sollten und warum. Wie wir denselben Schritt an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten üben, damit Dein Nervensystem lernt, sich zu jeder Zeit und an jedem Ort wieder sicher zu fühlen. Und dass wir hinterher vergleichen: Was hast Du erwartet – und was ist tatsächlich eingetreten? Und vieles mehr. Exposition ist vielschichtig und geht weit über bloßes Konfrontieren hinaus.

Das ist der Unterschied zwischen einer Übung, die Dich weiterbringt, und einer, die Dich nur erschöpft.

Das funktioniert übrigens auch dann, wenn Du Medikamente gegen Angst nimmst – die Untersuchung an 380 Menschen oben zeigt genau das.

Du musst nichts absetzen, um anzufangen. Ob und wann Antidepressiva absetzen überhaupt ein Thema ist, entscheidest Du mit der Ärztin oder dem Arzt, der verordnet hat.

Du musst nur anfangen. Und wenn Du gerade in der Situation der Frau aus dem Facebook-Beitrag bist – Tag drei, alles fühlt sich falsch an, Du weißt nicht, ob das die Tablette ist oder Deine Angst: Das ist genau die Unterscheidung, die man üben kann. Zu lernen, eine Körperempfindung einzuordnen, statt sie zu deuten, ist keine Nebensache. Bei Krankheits- und Gesundheitsangst ist es die Hauptarbeit.

Was Du jetzt konkret tun kannst

  1. Trenne die beiden Gruppen. Schau nach, ob Dein Präparat ein Antidepressivum oder ein Benzodiazepin ist. Diese eine Information verändert alles, was Du oben gelesen hast.
  2. Sprich Anfangsnebenwirkungen aktiv an – bei der Ärztin, die verordnet hat, nicht in der Gruppe. Auch die Frage „wie lange soll ich das nehmen?“ gehört ins erste Gespräch, nicht ins dritte Jahr.
  3. Frag nach Exposition – und dann eine Ebene tiefer. Nicht nur „machen wir Exposition?“, sondern: Wird vorher aufgeschrieben, was ich erwarte? Fallen meine Sicherheitsvorkehrungen weg? Üben wir an verschiedenen Orten? Nach allem, was Du oben gelesen hast, sind das berechtigte Fragen.
  4. Warte nicht auf den perfekten Startpunkt. Nicht auf null Medikamente, nicht auf einen guten Tag, nicht auf den Therapieplatz in fünf Monaten.

Weiterlesen

Wenn Du wissen willst, mit welchem Muster Du es überhaupt zu tun hast, ist der Vergleich von Angst, Panik, Zwang und Gesundheitsangst der beste Einstieg. Vertiefungen zu den einzelnen Bildern:

Alle Beiträge im Überblick: Blog & Ratgeber.

Wie es danach ist – und woher ich das weiß. Ich rufe meine Klienten nach ein paar Monaten wieder an, nach zwei Jahren und nach vier Jahren. Ich frage nicht nach Symptomen. Ich frage, was sie in der Zwischenzeit gemacht haben.

Was ich in diesen Gesprächen höre, klingt fast immer gleich unspektakulär: dass jemand wieder Dinge macht, die er sich länger nicht zugetraut hat – dass der Gedanke an das Medikament in der Tasche seltener wird – und dass diese Veränderung bleibt, auch Jahre später.

Es geht nicht darum, dass die Angst nie wieder auftaucht. Es geht darum, dass sie nicht mehr entscheidet, wohin Du fährst, was Du absagst und wie Dein Tag aussieht. Bisher hat mir aus diesen Rückrufen niemand von einem Rückfall berichtet.

Und weil das die häufigste Frage ist: Es spielt dabei keine Rolle, ob Du seit Monaten, seit Jahren oder seit Jahrzehnten betroffen bist. Ich war es zwölfeinhalb Jahre.

Wenn Du nicht mehr allein weiterkommst

Ein Medikament kann Dir Luft verschaffen. Was es nicht kann: Dir die Erfahrung verschaffen, dass die Situation auch ohne gut ausgeht. Genau die brauchst Du aber.

Ich hatte zwölfeinhalb Jahre lang selbst Panik, Zwangsgedanken und Krankheitsangst. Seit 2019 arbeite ich mit Menschen, die genau da stecken. Ich weiß, an welcher Stelle die meisten aufgeben – und was den Unterschied macht zwischen denen, die es hinter sich lassen, und denen, die nach Jahren noch dieselben Übungen machen.

  • Ein Monat Coaching, mindestens vier Sitzungen – jede Woche eine.
  • Eine Stunde pro Gespräch, länger wenn nötig, mit Nachgespräch.
  • WhatsApp-Kontakt dazwischen – die schwierigen Momente kommen nicht nach Termin.
  • Keine Schnelllösungen, keine Sicherheitsanker, keine Tricks – weil genau die Dich festhalten.

1.200 € für den kompletten Monat. Zum Vergleich: Auf einen Therapieplatz wartet man in Deutschland im Schnitt 142 Tage – und die Beschwerden, um die es geht, bestehen bei den meisten seit Jahren.

Auf ProvenExpert haben neun Menschen öffentlich bewertet – alle neun mit fünf von fünf Sternen (nachprüfbar, Stand September 2026). Ein Paket, keine Staffelung. Das Erstgespräch kostet nichts und verpflichtet zu nichts – und ich sage Dir auch, wenn ich denke, dass Du woanders besser aufgehoben bist.

Nichts für Dich, wenn Du einen Trick für den Moment suchst oder nur reden und zwischen den Terminen nichts umsetzen willst. Dann bekommst Du keine Ergebnisse, und dann kann ich Dir nicht helfen.

Warum die üblichen Tipps das Problem verlängern statt es zu lösen, habe ich mit 49 Quellen aufgeschrieben: Angst, Panik, Zwang und Krankheitsangst überwinden – ohne Tricks, ohne Hilfsmittel.

Häufige Fragen zu Medikamenten bei Angst und Panik

Nein. Die S3-Leitlinie führt für SSRI und SNRI ausdrücklich „keine Abhängigkeit“ als Vorteil auf. Absetzphänomene sind möglich – das ist etwas anderes als Abhängigkeit. Bei Benzodiazepinen ist es genau umgekehrt: Dort ist die Abhängigkeitsentwicklung belegt, und sie ist der ausdrückliche Grund, warum die Leitlinie sie nicht empfiehlt. Genau deshalb lohnt es sich zu wissen, welche der beiden Gruppen Du vor Dir hast.

Milder, als sein Ruf vermuten lässt. Zieht man die Placebowirkung ab, erleben rund 15 von 100 Menschen echte Absetzsymptome, rund 3 von 100 erleben sie als schwer. In der ersten Woche liegt die Symptomlast im Mittel bei einem einzigen zusätzlichen Symptom – unterhalb der Schwelle, ab der Fachleute von einem klinisch bedeutsamen Absetzsyndrom sprechen.

Zwei Dinge gehören dazu: Diese Zahlen stammen überwiegend aus der Depressionsforschung. Und was nach dem Absetzen an Unruhe auftritt, ist nicht automatisch die zurückkehrende Angst – es kann auch das Absetzen selbst sein. Abgesetzt wird nie im Alleingang, sondern mit der Ärztin oder dem Arzt, die verordnet haben.

Nein. Eine deutsche Untersuchung an Menschen mit Panikstörung und Agoraphobie zeigt: Wer unter Antidepressiva eine Expositionsbehandlung macht, profitiert davon genauso stark wie jemand ohne Medikation – die Ansprechraten lagen bei 53,8 gegenüber 53,5 Prozent, praktisch identisch.

Du musst also nicht erst medikamentenfrei sein, um anzufangen. Und Du solltest an einer Dauermedikation auch nichts ändern, damit eine Übung „sauberer“ wird – das gehört ins Gespräch mit der verordnenden Ärztin, nicht in eine Übungsplanung.

Kurz zu „Medikamente gegen Angst rezeptfrei“: Die Leitlinie hat die gängigen Kandidaten geprüft. Der Lavendelölextrakt Silexan war in einer Studie wirksamer als Placebo bei generalisierter Angststörung – er hat in Deutschland aber keine Zulassung für Angststörungen nach ICD-10, und die Leitliniengruppe spricht ausdrücklich keine Empfehlung aus. Für Johanniskraut und Baldrian existieren bei der Panikstörung keine kontrollierten Studien, für homöopathische Präparate gibt es laut Leitlinie „keine wissenschaftlichen Nachweise“.

Und der Punkt, der bei allen dreien gleich bleibt: Ein Mittel, das beruhigt, verändert nicht, wovor Du Angst hast.

Weil Wirksamkeit und Empfehlung zwei verschiedene Dinge sind. Die Leitlinie hält beides fest: Benzodiazepine sind bei Angststörungen wirksam – und sollen trotzdem „aufgrund der gravierenden Nebenwirkungen (Abhängigkeitsentwicklung etc.) nicht angeboten werden“. Für Panikstörung und generalisierte Angststörung in der stärksten Form, die eine Leitlinie kennt.

Wenn in begründeten Ausnahmefällen doch verordnet wird, gilt: in der Regel nur für wenige Wochen. Bei einer Suchtvorgeschichte gar nicht. Und nach längerer Behandlung sehr langsam ausschleichen, gegebenenfalls über mehrere Wochen – immer ärztlich begleitet.

Beim Thema „Angststörung Medikamente“ gilt: Eine Medikation kann Dir Luft verschaffen – die Arbeit macht sie nicht. Von 100 Menschen mit einer Angststörung erhalten nur etwa zehn eine Behandlung, die den Mindestanforderungen genügt. Und selbst dort fehlt in mehr als der Hälfte der Fälle die Exposition, obwohl sie in den Leitlinien zur Erstlinien-Behandlung gehört. Genau in dieser Lücke stecken viele Menschen jahrelang fest.

Und dieser Artikel? Als Orientierung und Einstieg: absolut. Aber hier liegt der Punkt, den fast niemand klar ausspricht: Das Problem ist nicht nur das Tun. Es ist das Wie.

Artikel wissen nichts über Dein Leben.

Sie wissen nicht, welche Situationen Dich konkret einschränken – ob es das Autofahren auf der Autobahn ist, das Alleinsein in der Wohnung, das Überprüfen Deines Herzschlags nach dem Sport oder das Kontrollieren der Haustür vor dem Schlafen. Sie wissen nicht, in welcher Reihenfolge Du sie angehen solltest, damit Exposition wirklich etwas bewegt – und nicht abbricht, bevor sie anfängt.

Genau dabei begleite ich Menschen: nicht mit generischen Anleitungen, sondern zugeschnitten auf Deine Situationen, Dein Leben und Deine Muster.

Quellen

Jede Zahl in diesem Beitrag und in jeder Grafik stammt aus einer der folgenden Arbeiten. Alle Links führen
direkt zur Originalquelle.

  1. Bandelow B, Aden I, Alpers GW et al. S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, Version 2. AWMF-Registernummer 051-028, Stand 06.04.2021. register.awmf.org/de/leitlinien/detail/051-028 Hinweis: Die Leitlinie ist seit dem 05.04.2026 abgelaufen und wird laut AWMF-Register überarbeitet; eine Nachfolgeversion ist noch nicht veröffentlicht. Sie bleibt die einzige deutsche S3-Leitlinie zu Angststörungen bei Erwachsenen.

    Population: Panikstörung/Agoraphobie, generalisierte Angststörung, soziale und spezifische Phobie.
  2. Janhsen K, Roser P, Hoffmann K. Probleme der Dauertherapie mit Benzodiazepinen und verwandten Substanzen. Dtsch Arztebl Int 2015; 112(1–2): 1–7. doi.org/10.3238/arztebl.2015.0001

    Population: Benzodiazepin-Verordnungen in Deutschland insgesamt, nicht auf Angststörungen begrenzt.
  3. Henssler J, Schmidt Y, Schmidt U et al. Incidence of antidepressant discontinuation symptoms: a systematic review and meta-analysis. Lancet Psychiatry 2024; 11(7): 526–535. doi.org/10.1016/S2215-0366(24)00133-0 · PubMed 38851198

    Population: 21.002 Patientinnen und Patienten mit psychischen Störungen aller Art. Die Autoren berichten ausdrücklich, dass sich die Unterschiede zwischen den Studien nicht durch die Diagnose erklären ließen.
  4. Kalfas M, Tsapekos D, Butler M et al. Incidence and Nature of Antidepressant Discontinuation Symptoms: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Psychiatry 2025; 82(9): 896–904. doi.org/10.1001/jamapsychiatry.2025.1362 · PubMed 40632531

    Population: 50 Studien mit 17.828 Teilnehmenden – 28 Studien zu Depression, 9 zu generalisierter Angststörung, 4 zur Panikstörung, je 1 zu sozialer Angststörung und posttraumatischer Belastungsstörung, dazu einige zu anderen Indikationen.
  5. Alonso J, Liu Z, Evans-Lacko S et al. Treatment gap for anxiety disorders is global: Results of the World Mental Health Surveys in 21 countries. Depress Anxiety 2018; 35(3): 195–208. doi.org/10.1002/da.22711 · Volltext (PMC6008788)

    Population: 51.547 Befragte in 21 Ländern; ausgewertet wurden ausschließlich Personen mit einer Angststörung in den letzten zwölf Monaten.
  6. Pittig A, Kotter R, Hoyer J. The Struggle of Behavioral Therapists With Exposure: Self-Reported Practicability, Negative Beliefs, and Therapist Distress About Exposure-Based Interventions. Behav Ther 2019; 50(2): 353–366. doi.org/10.1016/j.beth.2018.07.003

    Population: 684 niedergelassene Verhaltenstherapeutinnen und -therapeuten in Deutschland, befragt zur Behandlung von Angststörungen, PTBS und Zwangsstörung.
  7. Scheveneels S, Hermans D, Janssens J, Greeven A, van Emmerik A. The use of exposure in anxiety-related disorders and associations with practitioner characteristics. Cogn Behav Ther 2026; 55(5): 652– 667 (online erschienen am 18.06.2025). doi.org/10.1080/16506073.2025.2518424

    Population: 190 begonnene, 122 ausgewertete Fragebögen von Behandlerinnen und Behandlern in Flandern (Belgien); erfasst wurden ausschließlich angstbezogene Störungsbilder – spezifische Phobie, soziale Angststörung, Panikstörung, generalisierte Angststörung, PTBS und Zwangsstörung.
  8. Craske MG, Treanor M, Conway CC, Zbozinek T, Vervliet B. Maximizing exposure therapy: An inhibitory learning approach. Behav Res Ther 2014; 58: 10–23. doi.org/10.1016/j.brat.2014.04.006

    Population: Übersichtsarbeit zu Angststörungen; die Fallbeispiele decken Zwangsstörung, PTBS, soziale Phobie, spezifische Phobie und Panikstörung ab. Die zugrunde liegenden Experimente sind überwiegend Labor- und Analogstudien (u. a. mit Spinnen- und Höhenangst bei Freiwilligen): Die Arbeit erklärt Lernmechanismen, sie misst keine Behandlungswirksamkeit.
  9. Hahnfeld M, Ritter P, Sauer C, Weidner K, Noack R. Expositionstherapie bei Panikstörung und Agoraphobie im Kontext bestehender antidepressiver Medikation. Nervenarzt 2023; 94(9): 842–848. doi.org/10.1007/s00115-023-01535-y · Volltext (PMC10499681)

    Population: 380 Patientinnen und Patienten mit Panikstörung und/oder Agoraphobie in einer deutschen Tagesklinik; die Ansprechraten beruhen auf den 237 Fällen mit vollständigen Fragebögen.
  10. Bundespsychotherapeutenkammer. Wartezeiten auf eine Psychotherapie – Auswertung von KBV-Abrechnungsdaten (Q1/2019, rund 300.000 Versicherte). bptk.de – Psychisch Kranke warten 142 Tage auf eine Psychotherapie

    Population: gesetzlich Versicherte mit psychotherapeutischem Behandlungsbedarf in Deutschland. Die 142,4 Tage sind die durchschnittliche Wartezeit vom Erstgespräch bis zum Therapiebeginn.
  11. Blakey SM, Abramowitz JS. The effects of safety behaviors during exposure therapy for anxiety: Critical analysis from an inhibitory learning perspective. Clin Psychol Rev 2016; 49: 1–15. doi.org/10.1016/j.cpr.2016.07.002

    Population: Übersichtsarbeit zu Angststörungen; ein großer Teil der ausgewerteten Experimente wurde an Analog- oder unausgelesenen Stichproben durchgeführt – die Arbeit führt sie unter einer eigenen Tabellenüberschrift. Die Autoren halten ausdrücklich fest, dass die Studienlage gemischt ist, die Gesamttendenz aber gegen Sicherheitsverhalten spricht – Empfehlung: Absicherungen abbauen, sobald die Person bereit ist.
  12. Lovibond PF, Davis NR, O’Flaherty AS. Protection from extinction in human fear conditioning. Behav Res Ther 2000; 38(10): 967–983. doi.org/10.1016/S0005-7967(99)00121-7

    Population: experimentelle Untersuchung am Menschen zur Frage, wie Sicherheitssignale das Verlernen von Furcht verhindern. Laborstudie, keine Patientenstichprobe – sie erklärt den Mechanismus, nicht die klinische Wirksamkeit
  13. Atemübungen bei Panik: Warum tief durchatmen es schlimmer machen kann

Wozu die Angabe „Population“ unter jeder Quelle?

Weil eine Zahl nur für die Gruppe gilt, an der sie gemessen wurde. Die beiden Auswertungen zum Absetzen von Antidepressiva [3, 4] stammen überwiegend aus der Depressionsforschung – das steht deshalb oben im Text und hier bei der Quelle, statt es zu verschweigen.

Alles, was zu Versorgungslage und Leitlinienempfehlung gesagt wird, stammt dagegen aus der Leitlinie selbst [1], aus Untersuchungen an Menschen mit Angst-, Panik-, Zwangs- oder Belastungsstörungen [5, 9], aus Befragungen der Behandelnden, die sie versorgen [6, 7], und aus deutschen Versorgungsdaten [2, 10] – letztere erfassen alle gesetzlich Versicherten, nicht nur Menschen mit einer Angststörung, was unter der jeweiligen Quelle vermerkt ist.

Bei den beiden Übersichtsarbeiten zur Expositionsforschung [8, 11] gehört eine Einschränkung dazu: Ein eigener Abschnitt der Studienübersicht bei Blakey und Abramowitz trägt die Überschrift „Experimente mit Analog- oder unausgelesenen Stichproben“ – gemeint sind Freiwillige mit ausgeprägter Angst, aber ohne gestellte Diagnose.

Auch Craske stützt sich in weiten Teilen auf solche Laborexperimente. Das ist in der Grundlagenforschung üblich und für die Frage wie Lernen funktioniert aussagekräftig; für die Frage wie stark eine Behandlung wirkt wäre es zu wenig. Genau so werden sie in diesem Beitrag auch verwendet.

Dasselbe, nur noch deutlicher, gilt für [12]: eine reine Laborstudie, die den Mechanismus hinter Sicherheitssignalen erklärt – sie steht hier als Erklärung, nicht als Wirksamkeitsnachweis, und ist im Text auch so gekennzeichnet.


Zuletzt fachlich geprüft: 6. September 2026. Jede Zahl wurde gegen die Originalarbeit abgeglichen – bei zehn der zwölf Quellen im Volltext, bei [3] gegen das vollständige Abstract und bei [12] über die Darstellung in [8]; beides ist dort gekennzeichnet.


Angstfrei-Coaching.com · Daniel Terasa · Coaching ersetzt weder Psychotherapie noch ärztliche Behandlung.

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Letzte Aktualisierung: Oktober 2026

Autor: Daniel Terasa Coach für Angst-, Panik- und Kontroll-/Zwangsreaktionen sowie Krankheits-/Gesundheitsangst | angstfrei-coaching.com

Ehemals 12,5 Jahre selbst betroffen. Heute begleite ich Menschen dabei, ihren Alltag wieder frei zu leben.

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